Stuttgart 21 am 30.09.2010 – von Schlagwörtern und Schlagstöcken

Floyd 18 Kommentare Der letzte Fake

Es ist Samstag abend, als ich anfange diesen Artikel zu schreiben. Warum ich erst jetzt darüber schreibe ist ganz einfach: die Ereignisse des 30.09.2010 sind meine persönlichen Brandmarken. Sie werden nicht mehr gehen, für immer bleiben. Ich kann nicht sachlich über diesen Tag berichten, das können Aussenstehende wesentlich besser als ich.

Als vor Jahren zum zweiten Mal Zugewanderter empfand ich Stuttgart bisher bis auf ein paar Ausnahmen wirklich als angenehm und lebenswert. Bis zu diesem Donnerstag, ja der Donnerstag als ein Stück in mir zerbrach. Bitte verzeiht mir meine nicht chronologische Darstellung des Tages, aber ich muss wild durcheinander schreiben, weil mein Frust, meine Ohnmacht an ganz vielen Stellen sitzt, die mit diesem Tag verknüpft sind. Zuerst muss ich meine innerliche Zerrisenheit loswerden, um bei der nächsten Demo wieder friedlich mitlaufen zu können. Wie ich es immer gemacht habe und weiterhin machen werde. Friedlicher Widerstand gegen einen Irrsinn.

Meine momentane Gefühlswelt

Dieses Bild spiegelt meine momentane Verfassung am besten wider. Vielen Dank an Jan Petersen, der mir die Veröffentlichung seiner Fotos schriftlich genehmigt hat. Danke.

Stuttgart 21 am 30.09.2010 - Schülerin steht Polizisten fragend und fassungslos gegenüber - Foto Jan Petersen

Der kleine feine Unterschied

Das Bahnprojekt städtebauliche Projekt Stuttgart 21 hat am Donnerstag, den 30.09.2010 seinen Höhepunkt erreicht. Oder hatte Herr Mappus seinen? Oder Herr Schuster seinen? Oder doch Herr Rech? Irgendjemand musste doch einen Höhepunkt an diesem Tag haben? Seinen ganz persönlichen. Die Kanzlerin Frau Dr. Angela Merkel? Oder doch Teile der Polizei? Oder doch keiner? Ich bin so geladen, so sauer, denn die Bürger in dieser so genannten „Demokratie“ erlebten ihren Tiefpunkt, initiiert durch Hochmut, ausgeführt mit Gewalt. Und nochwas: ihr (die Verantwortlichen dürfen sich gerne namentlich angesprochen fühlen) erzählt mir was von „politisch legitimiert“ und „durch alle Instanzen“ und „Jahrhundertchance“ und „Magistrale“ und „Paris“ und „Bratislava“ und „in 8 Minuten am Flughafen“ und überhaupt. Das sind Schlagworte. Was anderes aber sind Schlagstöcke liebe Volksvertreter Volksverdreher dieser Demokratie. Vielleicht gibt es da für einige unter Ihnen nicht eindeutig erkennbare Unterschiede, aber ersteres kommt aus dem Mund, zweites bekommt man mit Brachialgewalt darauf. So viel zum Thema Unterschied. Mit keinem der beiden „Schlag“-Wörter jedoch werdet ihr meinen persönlichen friedlichen Widerstand brechen. Mein Maulkorb ist gerissen. Es muss gesagt werden was zu sagen ist.

Wer mich kennt weiss, dass ich (vielleicht auch auf falsche Selbsteinschätzung zurückführend) ein sehr friedlicher und umgänglicher Mensch bin. Gegenteile kannst du gerne in den Kommentaren hinterlassen ;) Ich glaube auch, und da danke ich meinen Eltern von Herzen, dass ich eine Erziehung hatte, die mir beibrachte nicht alles zu dulden, sondern aufzustehen wenn aus meiner Sicht Unrecht passiert. Mich für andere einzusetzen, mich aber auch zu „stellen“, wenn ich einen Fehler gemacht habe und mich zu entschuldigen. (Nein, meine Eltern sind keine Hausbesetzer, keine Linken, keiner hat lange Haare (oh doch, ich ;)), etc.)

Die Frage nach Autorität

Am Donnerstag durften die Bürger Stuttgarts die pure Macht, die pure Arroganz erfahren. Dieser autoritäre Führungsstil, den manch einer schon in der Erziehung nie leiden konnte traf die friedlichen Demonstranten mitten ins Gesicht. Die meisten Menschen kennen diese autoritären Klassiker wie: „Ein Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet.“ Oder „Wer nicht hören will muss fühlen“. Seit Donnerstag haben wir dazugelernt, dass es noch weitere Varianten gibt, z.B.

Wer Zeit hat kann sich abends auch mal diese Youtube Playlist anschauen, um sich selbst ein detaillierteres Bild zu machen.

Da war doch was – Kinderrechtskonvention

Herr Mappus, Herr Rech, Herr Schuster, Herr Stumpf, Frau Merkel (Liste beliebig erweiterbar): darf ich sie daran erinnern, dass Deutschland 1992 die Kinderrechtskonvention unterschrieben hat. Falls das schon zu lange zurückliegen sollte, hier eine kleine Erinnerung daran:

Art. 3 Abs. 1 UN-KRK besagt, dass

…bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, gleichviel ob sie von öffentlichen oder privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge, Gerichten, Verwaltungsbehörden oder Gesetzgebungsorgan getroffen werden, [ist] … das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.

Somit wurde am 30.09.2010 in Stuttgart diese Konvention gebrochen. Und bitte komme mir keiner und sage: die Politik habe diesen Polizeieinsatz nicht genau so angeordnet, wie er durchgeführt wurde. Bitte auch keine Versuche für Erklärungen, dass die angemeldete Schülerdemo nicht bekannt war. Oder dass man ja nie damit rechnen konnte, dass Schüler von ihrer geplanten Route abweichen um in den Schloßgarten zu kommen. Wer hat das USK (Unterstützungskommando) denn nach Stuttgart geordert? Ach ne, sorry, sie wussten bestimmt nicht, wie das USK vorgehen wird, wenn es eingesetzt wird. Synapsen verknüpfen, mitdenken.

Die Sache mit dem Eid und der Verfassung

Ihr (ich duze euch jetzt einfach mal), liebe Politiker habt bei Amtsantritt einen Eid auf die Landesverfassung Baden-Württemberg abgelegt, der in Artikel 48 folgendes beinhaltet (Hinweis: der Eid kann natürlich auch ohne religiösen Zusatz abgelegt werden):

Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, Verfassung und Recht wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Würde ich die Situation am Donnerstag als Maßstab heranziehen, was ich jetzt frecherweise einfach mal mache, dann hätten Sie aus meiner Sicht einen Eid auf einen Artikel der Landesverfassung abgelegt, den es gar nicht gibt:

Ich schwöre, daß ich meine Kraft der Schädigung des Volkes widmen, seinen Nutzen verringern, ihm Schaden zufügen, Verfassung und Recht zurückweisen und ignorieren, meine Pflichten gewissenhaft anderen übertrage und Gerechtigkeit gegen jedermann verhindern werde. Und Gott gibt es eh nicht.

Dass es diesen versteckten Artikel eventuell geben könnte habt ihr am Donnerstag eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zurück zu den Tatsachen: was interessieren schon die Landesverfassung, die Kinderrechtskonvention, ja was interessiert eigentlich die Demokratie? Fast mit dem bayrischen „Mir san mir“ Verständnis wurde mit brachialer Gewalt eine Macht demonstriert, die mich bis ins Innerste zerreisst. Es wird mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray auf Demonstranten eingewirkt, so ganz nach dem Motto: „Hosen runter, zeig uns wer du bist, du fieser kleiner Berufsdemonstrant?“ Ach fast vergass ich zu erwähnen:

Ich bin durch alle Instanzen demokratisch legitimiert

Ich bin als Mensch demokratisch und politisch legitimiert! (Dies wurde mir auf Anfrage von meinen Eltern bestätigt. Dokumente für diese Sachlage können bei mir angefordert werden)

Agent Provocateur oder gewaltbereiter Demonstrant

Ich habe friedliche Menschen gesehen, laut ja, aber welche Demonstration ist schon leise? Und bitte versucht mir nicht zu erzählen, dass es keine eingeschleusten „Krawallmacher“ seitens der Polizei gab, die immer wieder versuchten Teile der Menge partiell anzustacheln. Handfeste Beweise habe ich natürlich wieder mal keine! Aber: ich selbst stand abends (das ist eine wichtige Information, da zu diesem Zeitpunkt die Situation längst wieder „unter Kontrolle“ war) in einer Gruppe von ca. 20-30 Menschen, die ich nicht alle kannte, als plötzlich ein Mann in ziviler Kleidung (mit „Oben bleiben“ Button-Verkleidung) vor uns stand und inhaltlich folgendes von sich gab (genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr):

Auf geht´s! Wir müssen ein Zeichen setzen. Jetzt! Die verstehen keine Worte mehr! Wir müssen uns jetzt wehren. Oben bleiben! Oben bleiben! Los jetzt! Kämpfen wir für unser Recht!…

Daraufhin nahmen zwei Demonstranten den netten Herren friedlich an den Armen und die Gruppe skandierte „Zivilpolizist! Zivilpolizist! Zivilpolizist!“ Der „arme“ Mann wurde etwas umhergeführt, um den anderen Demonstranten zu zeigen, dass es sich aus unserer Sicht um einen zu Gewalt aufrufenden „Eingeschleusten“ (oder auch Agent provocateur) handelt. Als Warnung, dass sich niemand von ihm weiter zu gewalttätigen Handlungen gegenüber der Polizei provozieren lassen möge. Kurze Zeit später (ca. 3 Minuten) wurde er losgelassen und wir skandierten „Wir sind friedlich, was bist du?“ Für diesen Vorfall suche ich noch Hinweise. Wer hat Fotos, Videos, etc. von dieser Situation gemacht? Sollte es doch ein „eskalierender“ Demonstrant gewesen sein, dann hat er zumindest erfahren, dass eine gewaltsame Auseinandersetzung seitens der Demonstranten nicht erwünscht ist. Zu keinem Zeitpunkt!

Diese Form von Demokratie widert mich an

Ich verstehe die Welt nicht mehr. In diesem Land, mit dieser Form der „Demokratie“ habe ich persönlich nichts gemeinsam. Aber auch rein gar nichts. Manche fragen nach der Unverhältnismäßigkeit des Einsatzes. Mir bleibt dazu nur folgendes zu sagen: Ihr würdet euch wünschen, dass ich am besten das Land verlassen sollte, wenn es mir nicht passt? Da müsst ihr euch noch sehr lange gedulden. Denn für mich hat mein friedlicher Einsatz seit Donnerstag mehr Sinn denn je! Vor ein paar Jahren wurde man von vielen belächelt und als leicht linker „Spinner“ abgetan (ist ja auch klar, wer als Mann lange Haare hat muss immer damit rechnen als gewaltbereiter Linker eingestuft zu werden), wenn man sich gegen ein ach so „fortschrittliches Projekt“ wie Stuttgart 21 stellt. Bevor hier in Stuttgart ein „fortschrittliches“ Projekt dieser Art realisiert wird, sollte sich zuerst einmal eine fortschrittliche Demokratie entwickeln und etablieren. Hey, ihr da oben, hört ihr mich? „DEMOKRATIE“ meine ich. Ich schreie es hinauf zu euch, mit tausenden anderen Menschen: „DEMOKRATIE“! Habt ihr schonmal nachgedacht, dass eine sich nicht den Umständen des Landes anpassende Demokratie vielleicht auch die logische Konsequenz beinhaltet, am Volk vorbeizuregieren? Wir sind aufgeklärter denn je. Für Informationen brauchen wir euch nicht mehr wirklich. Es sei denn ihr würdet ehrliche Informationen verbreiten. Lügen dagegen konntet ihr früher genug. In Zeiten des Internets und der sozialen Netzwerke jedoch wird euer Fehlverhalten sofort aufgedeckt. Das passt euch nicht? Dann verhaltet euch ehrlich und anständig, so wie ihr es von euren treuen, untergebenen Bürgern erwartet! Ja, auch eine ehrliche Handlung verbreitet sich minutenschnell im Internet. Jeder von euch hat es selbst in der Hand.

Auswirkungen der Gewalt

Schaut euch das an, das ist das Video das mich minutenlang zum Weinen bringt. Es ist keine Gewalt zu sehen, aber die Auswirkungen dieser. Normalerweise bin ich auch kein Freund fäkaler Ausdrücke, aber diese Scheisse stinkt zum Himmel. Was sind das für Menschen, die ihr da so behandeln und malträtieren lasst? Schaut sie euch an. Seht ihr den Schmerz, diese ohnmächtige Hilflosigkeit in ihren Gesichtern? Ach ne, sie sehen es nicht? Klar, sie waren ja am Donnerstag nicht vor Ort. Anderen Demonstranten vor Ort wurde jegliche Hilfe verweigert, seitens der Notrufzentrale und seitens der Polizei. Mensch, jetzt platzt mir aber gleich die Hutschnur:

Herr Mappus

Herr Mappus, meine Empfehlung an Sie: feuern Sie Ihren Berater und handeln Sie mit Vernunft und Menschlichkeit. Hören Sie auf ihr eigenes Herz und nicht auf eines, das in einer fremden Brust schlägt! Dann wären Sie für mich als Bürger authentisch! Ob positiv oder negativ sei dahingestellt, aber: Sie wären Sie! Ach wäre das schön.

Herr Schuster

Herr Schuster, auch an Sie noch einige Worte: Sie sind Bürgermeister dieser Stadt! Wie armselig muss Ihr Handeln auf einen Großteil der Bevölkerung wirken? Versetzen Sie sich einmal in die Lage der Demonstranten an diesem Donnerstag. Legen Sie mal das alberne „Das ziehen wir durch“ und „Oben bleiben“ zur Seite und handeln Sie als Mensch und verantwortungsbewusster Politiker. Eben als Bürgermeister dieser momentan schwer geplagten Stadt. Am Donnerstag, den 30.09.2010 haben Sie ihre nächste Chance vertan, sich als Bürgermeister einer gemeinsamen Stadt zu zeigen. Menschen, und ich betone das Wort Menschen, werden in Ihrer Stadt von Hundertschaften der Polizei mit Gewalt verprügelt, mit Wasserwerfern weggeschossen und was machen Sie am Abend dieses Tages? Sie treten „spontan“ am Rathausplatz vor die Befürworter des Projektes (was jedermanns gutes Recht ist) und bedauern was an diesem Tage passiert ist. HALLOOO?????

Jemand zu Hause? Da werde ich so wütend! So sauer! Sie hätten ihren beiden Beinen nur eine Botschaft von oben schicken müssen, sich in Richtung Schloßgarten zu bewegen. Dieser ist laut Google Maps exakt 1,6 km vom Rathausplatz entfernt. 10 Minuten zu Fuß oder 3 Minuten mit der Limousine. Hatten Sie Angst? Um Leib und Leben? Vor wüsten Beschimpfungen? Das verstehe ich, denn dann hatten wir an diesem Tag etwas gemeinsam. Sie hätten sich von einer Hundertschaft eskortieren lassen können, es waren genügend vor Ort. Über Ihr menschliches Handeln bin ich mehr als enttäuscht. Sehr schade.

Danke an die Befürworter des Projektes im Schloßgarten

Verblüfft und sehr positiv überrascht war ich von dem Erscheinen einer Gruppe von ca. 20-30 Befürwortern des Projektes. Diese kamen spontan von der Pro-Demonstration vom Rathausplatz zum Schloßgarten und wissen Sie was, Herr Schuster? Diesen Menschen ist nichts, rein gar nichts passiert. Ich habe mich mit einigen von Ihnen wirklich positiv, konstruktiv und ja sogar friedlich unterhalten. Keiner möchte Gewalt. Diese Gruppe von Befürwortern skandierte „So geht´s nicht! Gewalt ist keine Lösung! So geht´s nicht! Gewalt ist keine Lösung!“ Meine volle Zustimmung.

Wer wirklich „instrumentalisiert“ wird

Herr Schuster, Herr Mappus, Herr Rech, Herr Stumpf, Frau Merkel und der Rest vom Schützenfest: NICHT die Kinder werden hier instrumentalisiert, sondern Sie, die Verantwortlichen, instrumentalisieren uns Bürger dieser Stadt! Sowohl die Befürworter, als auch die Gegner. Wenn Sie, als politische Spitze dieses Bundeslandes bei einem Dialog versagen, dann wälzen Sie bitte diese Verantwortung nicht auf die Bürger Stuttgarts und Baden-Württembergs ab. Wir alle werden instrumentalisiert von Ihnen, weil sie nichts anderes zu kennen scheinen als demokratisch legitimiert und instrumentalisiert. Wo eine gewählte politische Führung eines Bundeslandes versagt, wo sie es nicht schafft einen konstruktiven Dialog zu führen, da können nicht die Bürger instrumentalisiert werden. Kommen sie bitte nicht und sagen „wir haben es ja versucht“ aber die Gegner wollten das ja nicht. Hey, wie ein kleines beleidigtes Kind. Hat ihr Kind sie nicht schon tausendfach das gleiche gefragt? Haben sie es dann auch immer nach dem ersten Fragen beleidigt abgewimmelt?

Die Frage nach 16 Jahren

Abgesehen davon halte ich die Frage „Wo war der Protest in den letzten 16 Jahren“ für äusserst kritisch, denn die Frage, die auf der anderen Seite der Medaille steht würde lauten: „wo waren die guten Argumente der Politik in den letzten 16 Jahren?“ Wo haben sie versucht die Bürger bei diesem „Jahrhunderprojekt“ (merken Sie nicht, wie viel Angst alleine das Wort „Jahrhunderprojekt“ bei Menschen hervorrufen kann?) mit ins Boot zu holen? Die Frage woher plötzlich die Menschen kommen ist schlichtweg falsch. 2007 habe ich beim Bürgerbegehren unterschrieben, als 67.000 Unterschriften aufgrund „juristischer Mängel“ abgewiesen wurde. Da können sie nicht ernsthaft fragen, warum drei Jahre später 70.000 Menschen bei einer friedlichen Demonstration durch Stuttgart laufen.

Warum man einen ganzen Park sichern muss

Zurück zum Thema Hundertschaften und Polizei. Herr Mappus, oder war es Herr Rech, oder gar Herr Stumpf stellte in den Medien die Frage, warum es überhaupt nötig sei sieben Hundertschaften einzusetzten, um den Mittleren Schloßgarten zu sichern. Diese Frage kann ich Ihnen beantworten. Ganz persönlich. Meine Vermutung ist, dass diese Art der Eskalation bewusst angeordnet wurde, um mal etwas den „german Arnie“ zu zeigen. Wie ich darauf komme? Ganz einfach: die Straße am Südflügel des Bahnhofs war ab 11 Uhr komplett gesperrt. Der ZOB (Zentral-Omnibusbahnhof) ist ja schon seit Tagen abgespert gewesen. Also auch hier keinerlei Gefahr durch die ach so „gewalttätigen“ Demonstranten. Der Clou an der Sache kommt jetzt. Der Bereich, in dem die Bäume in der Nacht auf Freitag (ca. 1.00 Uhr nachts) gefällt wurden liegt genau hinter dem Bereich des ZOB. Wieso erfolgte der Polizeieinsatz nicht ausschliesslich in diesem Bereich, in dem die Bäume gefällt wurden? Man hätte die Demonstranten nur friedlich nach hinten schieben müssen, die Hamburger Gitter aufstellen und fertig. Das hätte einen Einsatz von ca. 2-3 Hundertschaften erfordert (wenn überhaupt) und wäre nach spätestens einer Stunde erledigt gewesen. Stattdessen rücken die Wasserwerfer und Hundertschaften am Cafe Nil ein. Dieser Ort ist ein ganzes Stück weg vom zu „erobernden“ Einsatzgebiet. Hmm, gute Frage, mögen manche denken. Ich kann sie auch nicht beantworten. Auch kann ich nicht sagen, warum mit Wasserwerfern auf Menschen in den Bäumen geschossen wurde, die gar nicht von Fällungen betroffen waren. Reine Vorsorge? Rückeroberung des ganzen Schloßgartens? Wieso fokussierte man sich nicht auf das von den Fällungen betroffene Areal? Für alle die nicht aus Stuttgart kommen hier noch ein Video, das meine These stützt:

Friedliche Stimmung

Ach ja, um zu beweisen, dass die Strasse vor dem Südflügel bereits gesperrt war habe ich noch eine schöne Nebengeschichte für sie liebe Politiker und Polizisten, die sich angesprochen fühlen: meine Frau (die nicht wusste, was im Schloßgarten zu diesem Zeitpunkt passierte) war mit unseren beiden kleinen Kindern im Auto unterwegs und fuhr stadtauswärts auf der Heilbronner Strasse, bog rechts in die Wolframstrasse ab um in Richtung Stuttgarter Osten zu fahren. An der Eisenbahnbrücke war bereits gesperrt. Nachdem sie das Fenster geöffnet hatte und freundlich fragte, wie sie denn jetzt am besten fahren könne, reagierte der dort stehende Polizist in einem äusserst aggressiven Tonfall mit folgenden Worten:

Was fahren Sie denn hier entlang, das kam doch jetzt tausendmal in den Nachrichten im Radio. Hören Sie keine Nachrichten? Das gibt´s doch gar nicht. Hier ist gesperrt. Drehen Sie um, verschwinden Sie, hauen Sie ab! Sofort! …

Während hinten beide Kinder wie am Spiess brüllten, weil der Herr Polizist so schrie, saß meine Frau fassunglos im Auto. Warum reagierte der Polizist, der weitab des Geschehens eingesetzt wurde so aggressiv? Weil die Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs genauso entspannt war, die Polizisten vollkommen deeskalierend auf die Situation eingewirkt haben, sowohl im Schloßgarten, als auch ausserhalb? Da sassen eine Frau und zwei kleine Kinder im Auto! Aber das ist doch nicht schlimm möge da manch einer behaupten. Was soll denn jetzt so eine Lapalie? Vielleicht, aber etwas verstört war ich, als mir mein Sohn zu Hause erzählte, dass sie von der Polizei „verhaftet“ worden wären und der Polizist sie laut angeschrien hätte. Ach ja, ich vergass zu erwähnen, dass mein Sohn knapp 3 Jahre ist und bestimmt nur eine rege Phantasie hat. Die Verhaftung hat er tatsächlich „erfunden“, das aggressive Wortverhalten seitens des Polizisten wurde mir von meiner Frau bestätigt. Das nenne ich kindliche Früherziehung. Gleich mal zeigen, dass die Polizei an diesem Tag wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ich entschuldige mich bei den Politikern, dass ich sie jetzt mit so einem emotionalen Unfug auch noch nerve, aber ich bin, ob es Ihnen passt oder nicht, demokratisch legitimiert. Und es sind ja nur meine Kinder, die sie da zusammenbrüllen. Hey, alles nicht so schlimm oder? In ein paar Wochen hat der kleine Knirps das wieder vergessen. Bullshit. Zum Glück wurden sie nicht verhaftet, oder?

Medien und Manipulation – was Frau Maag mag?

Frau Maag von der CDU hielt im Bundestag eine Rede, in der sie folgendes zum Besten gab:

Bilder können auch machtvoll sein und vor allen Dingen auch eine manipulierende Wirkung entfalten. Wer das Bild dieses älteren Mannes gesehen hat, der mit blutenden Augen weggeführt wurde, anschliessend den selben Mann sieht, wie er sich offenbar absichtlich mit nackter Brust und ausgebreiteten Armen vor den Wasserwerfer stellt und nun liest, er habe andere schützen wollen, der lernt eines – nämlich auf eine saubere Aufarbeitung der Ereignisse zu warten. Ärger, Wut und vor allem Hass machen blind und sind schlechte Ratgeber. Ich habe Vertrauen in unseren Rechtsstaat.

Zuerst liebe Frau Maag: selbst wenn er laut Ihrer Meinung mit nackter Brust und ausgestreckten Armen vor dem Wasserwerfer stand ist das keine Rechtfertigung mit dem Wasserwerfer direkt ins Gesicht zu schiessen. Da hätten es doch auch die Füsse getan, oder? Na ja, das Zielen mit dem Wasserwerfer ist nicht ganz so leicht, oder doch? Zweitens, unabhängig was die Wahrheit nun ist, finde ich es geschmacklos von Ihnen, dass Sie einen verletzten Mann in Ihre hinkende Argumentationskette einbauen. Drittens liebe Frau Maag, wie war das mit den fiesen Pflastersteinwerfern auf Seiten der Demonstranten in der Tagesschau am 30.09.2010? Wer die Medien selbst nutzt und noch nicht validierte Meldungen zur Verfügung stellt, der sollte sich wahrlich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ja, ich weiss, dass Sie diese Meldung nicht weitergegeben haben.

Tagesschau 30.09.2010 – Meldung ab Minute 2:24

Meine Eltern riefen mich kurz darauf an und fragten, ob es mir gut ginge und warum die Demonstranten so gewalttätig vorgingen. Darauf erwiderte ich, dass ich persönlich keinen einzelnen Pflasterstein habe fliegen sehen. Ach, und rein zufällig muss die liebe Polizei die Tatsache der fliegenden Pflastersteine kurz nach der Tagesschau zurücknehmen? Haltlos. Na ok, zumindest weiss der Rest Deutschlands, dass die Gewalt in Stuttgart eindeutig von Seiten der Demonstranten aus ging. Die Minderheit wird später erfahren, dass es sich um Kastanien gehandelt hatte. In nicht zu ferner Zeit wird die Mehrheit des Landes aber sicherlich erfahren, dass es doch Pflastersteinewerfer gab. Und wenn Herr Rech selbst wochenlang das Material sichten muss. Der findet was. Bitte dann aber nicht die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen.

Von Kastanien und anderen Dingen die weh tun

Wer den Versuch unternimmt Menschen in Bäumen mit Wasserwerfern abzuschiessen, der braucht sich über fallende Kastanien nun doch wirklich nicht wundern? Ein schönes Sprichwort besagt:

Wie man in den Kastanienbaum reinschiesst, so…

Ihr wisst schon. Diese hinterhältigen, fiesen und gewaltbereiten Kastanienbäume. Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Baum gar nicht zur Fällung anstand, oder? Man hätte die hochgekletterten Demonstranten einfach im Baum sitzen lassen können. Wer weiss, vielleicht würden sie noch heute da oben sitzen? Es bestand aus meiner Sicht keinerlei Vorteil für die Polizei bei dieser Aktion:

Alle Gewalt geht von wem aus?

Hallo? Geht´s noch? Mein letztes Essen dreht sich in meinem Magen, wenn ich daran denke, dass die Bürger dieser Stadt, dieses Landes so manipuliert werden. Ist es nicht gar so, dass sie liebe Politik, liebe Polizei auf eindeutige Gewalt aus sind und sogar noch den Zündstoff mitliefern? Aus gesicherter Quelle weiss ich, was im Gegensatz zu den fliegenden Pflastersteinen Wahrheit ist. Zwei Tage später, also am Samstag, wurde im Schloßgarten die schwäbische Kehrwoche als friedliche Aktion der demokratisch legitimierten Projektgegner durchgeführt. Ja, stellen Sie sich vor, Bürger lassen sich mit Wasserwerfern abschiessen um zwei Tage später am Ort des Geschehens zu reinigen. Laut mehreren Quellen lagen beim Aufräumen des Parks tatsächlich demokratisch legitimierte Pflastersteine direkt an den Hamburgter Gittern, schön säuberlich hingelegt. Wohlgemerkt ausserhalb der Absperrung, also jederzeit für jeden potentiellen Berufsdemonstranten greifbar.

Wurden diese von Demonstranten hingelegt? Von der Polizei? Aber sorry, wieder mal habe ich keinerlei Beweise. Wäre es aber nicht aus Sicht der Polizei, die so deeskalierend vorgegangen ist, ein korrektes Vorgehen gewesen diese Pflastersteine zu entfernen und zu sichern, ganz egal von wem sie da hingelegt wurden? Passierte nicht. Die demokratisch legitimierten Kehrwochenteams entfernten sie zur Sicherheit aller Beteiligten. Danke dafür. Auch hier bin ich noch auf der Suche nach Fotos, Videos, etc. Na ja, wahrscheinlich sind das alles nur ganz ganz dumme Zufälle. Kann ja mal passieren. Habe ich mich wohl wieder getäuscht. Verlässliche Quellen, die bisher in jedem Punkt die Wahrheit sagten, haben mich bestimmt wissentlich angelogen. Bullshit.

Die Pressefreiheit geht nach Hause

Zuguterletzt noch folgende Frage: warum wurde Vertretern der Presse (mit Presseausweis) der Zugang zum Gelände verweigert? Wollte man seine Ruhe haben? Zum Glück kann im digitalen Zeitalter jeder zur mobilen Pressestelle werden. Trotzdem: es gibt ein Recht auf Pressefreiheit. Auch das wurde gebrochen. Kamerateams, die es trotzdem schafften, wurden teilweise mit dem Wasserwerfer beschossen. Das ist alles demokratisch legitimiert, richtig? Durch alle Instanzen abgesegnet, richtig? Ich bin machtlos und fassungslos.

Danke an die Polizei-Heldin einer Situation!

Ja, auch das habe ich erlebt. Mein persönlicher Dank gilt einer Polizistin, die sich aus der Reihe ihrer Kollegen sinngemäß mit den Worten verabschiedete:

Ich kann das nicht mehr. Das sind Kinder und auch ältere Menschen. Was soll das? Da mache ich nicht mehr mit.

Das nenne ich konsequent! Bestimmt ist sie nicht mehr im Polizeidienst, oder? Wer hat diesen Vorfall ebenfalls miterlebt? Fotos, Videos wie immer gerne gesehen.

„Life of Brian“ vs Politik?

Wirklich zum Schluß kommend bitte ich euch, liebe Politiker, lieber Herr Mappus, lieber Herr Schuster, folgende 1-minütige, demokratisch legitimierte Rede vor den Bürgern dieser Stadt zu halten:

In diesem Sinne wünsche ich allen Betroffenen, vor Wut Ohnmächtigen, demokratisch legitimierten Menschen dieser Stadt ein paar Tage der Erholung und Verarbeitung. Auf dass wir uns nicht unterkriegen lassen werden. Bleibt stark, denn der Geist des Menschen wird die Gewalt überflügeln. Das war und wird immer so sein. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass sich so viele Menschen friedlich organisieren. Menschen jeglicher Couleur, jeglichen Engagements, jeglicher sozialer Herkunft. Danke, dass es euch gibt!

Wir bleiben wie gehabt demokratisch legitimiert und friedlich!

Bildliche Eindrücke vom 30.09.2010

Stuttgart 21 am 30.09.2010 - Schülerin steht Polizisten fragend und fassungslos gegenüber - Foto Jan Petersen

Stuttgart 21 Wasserwerfer - 30.09.2010 - Foto Jan Petersen

Demonstrant bei Stuttgart 21 Polizeieinsatz im mittleren Schloßgarten. Wow, brandgefährlich - 30.09.2010 - Foto Jan Petersen

Demonstrant bei Stuttgart 21 Polizeieinsatz im mittleren Schloßgarten. Wow, brandgefährlich - 30.09.2010 - Foto Jan Petersen

Einer des Deeskalationsteams von Seiten der Parkschützer, der ebenfalls mit Pfefferspray behandelt wurde - diese Deeskalationseinheit war überraschenderweise wesentlich früher am Ort als das Deeskalationsteam der Polizei

Wasserwerfer der Polizei bei Stuttgart 21 im Mittleren Schloßgarten - Foto Jan Petersen

Danke an die Blogs

Ich möchte mich abschliessend noch bei einigen Blogs persönlich bedanken, die das Thema Stuttgart21 aufgegriffen und sehr schnell darüber berichtet haben. Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass es euch gibt.

18 Meinungen zu “Stuttgart 21 am 30.09.2010 – von Schlagwörtern und Schlagstöcken

  1. Diesem sehr guten Erlebnisbericht können sich sicher ganz viele Teilnehmer anschliessen. Wir waren friedlich… die Polizei spielte Krieg, der schlimmste Tag in meinem Leben! Allen Demonstranten, ob Schüler, Rentner, Mütter, Väter oder Berufsdemonstrant;) allergrössten Respekt!
    Den vielen Verletzten tiefstes Mitgefühl… in Gedanken sind viele bei Euch.

    Viele sind noch immer traumatisiert….
    Danke für diese Dokumentation.

    Ich hoffe, dass sich dieser friedliche Widerstand gegen dieses Immobilien- und Nonsensprojekt nicht einschüchtern lässt und weiterhin zur friedlichen Demo kommt.

  2. Danke für die extrem einseitge Darstellung der Ereignisse.
    Wer etwas Wahrheit sehen möchte:
    http://www.youtube.com/watch?v=W1UYd5LDQXA
    Der einzige Polizist der sich hier nicht richtig verhält ist zu Beginn der stämmige Kerl der etwas aggressiv ist. Aber ansonsten verhalten sich die Polizisten schulmäßig!
    Man sieht eine kleine Gruppe von Polizisten die ein besetztes Baufahrzeug schützen sollen. Sie werden von einer sehr großen Menge Menschen umzingelt und die rücken immer näher heran und drängen die Polizisten zusammen..
    An Stelle der Polizisten hätte ich da große Angst!
    Dann holen die Polizisten sehr rücksichtsvoll die jungen Leute von dem Bau-LKW, den diese rechtswidrig besetzt haben. Da muss ich die Polizisten loben weil sie sehr behutsam mit den Leuten umgegangen sind. Das kenne ich aus den 80er Jahren ganz anders!
    Hier sieht man psychische und physische Gewalt GEGEN die Polizei!
    Am Schluss müssen diese Polizisten mit den Wasserwerfern aus der Umzingelung befreit werden.
    Das ist auch Wahrheit!

  3. @Ronnie: erstmal danke an Dich und dass du den Weg zu meiner kleinen Fakewelt gefunden hast. Wie du unschwer erkennen kannst steht schon zu Beginn des Artikels, dass ich nicht sachlich über diesen Tag berichgten kann. Du unterstreichst mit deinem Kommentar also nur das, was bereits zu Beginn gesagt ist, wenn du mich bestätigst, dass dieser Bericht eine extrem einseitige Darstellung ist.

    Hast du dir dein Urteil aufgrund von YouTube Videos, Augenzeugenberichten oder eigener Erfahrung gebildet? Warst du dabei? Warst du im Schlossgarten in Stuttgart an besagtem 30.09.2010? Bitte verstehe mich nicht falsch, aber wenn du tatsächlich in Stuttgart im Schlossgarten warst bezweifle ich, dass du Aussagen wie diese jemals treffen würdest.

    Wenn du anhand eines Videos pauschalisierst, dass sich die Polizei „schulmässig“ verhalten hat, dann kriege ich hier die Krise. Natürlich gibt es viele Szenen eben nicht auf Video. Diese ständige Provokation, etc. Das sieht man nicht zwingend auf Videos. Und du willst mir hoffentlich nicht sagen, dass es nötig ist Menschen mit einem Wasserwerfer auf einem Baum zu beschiessen, der gar nicht gefällt werden muss, oder? Du willst mir bestimmt auch nicht sagen, dass Pfefferspray nur dann eingesetzt wurde, wenn es absolut notwendig erschien. Und du willst mir bestimmt auch nicht sagen, dass es notwendig ist mit Wasserwerfern auf Demonstranten zu zielen, die neben der Sitzblockade stehen, nur um die Sitzblockade aufzulösen. Hey, einfach mal alle wegschiessen, dann ist hier freie Fahrt, oder wie?

    Entschuldige, aber wie du siehst fällt es mir schwer mich bei diesem Tag zu einer rationalen Aussage hinreissen zu lassen. Es geht einfach nicht. Und was du schreibst ist aus meiner Sicht definitiv falsch.

  4. Guten Abend, ich lese das etwas Später nun, und dennoch hoffe ich darauf dass der Autor das hier liest:

    Ich verstehe Sie in vollstem Ausmaß, und würde mich über eine Kontaktaufnahme freuen, da es wenige Menschen gibt die wirklich „das Maul“ gegenüber dem Staat aufkriegen, gäbe es vlt eine Möglichkeit sie zu Kontaktieren?^^

  5. @midstar: vielen Dank für deinen Kommentar. Mich zu kontaktieren ist gar nicht so schwer;) Einfach E-Mail an me(att)floyd-celluloyd(punkt)de und schon sind wir in Kontakt. Vielleicht geht es mir darum das „Maul“ aufzumachen, könnte sein. Allerdings nur an den Positionen, die ich für nicht vereinbar halte. Was am 30.09. passiert ist kann nur von den Menschen beurteilt werden, die vor Ort waren. Und wer da war, dem wurde unmissverständlich klar, dass die Macht demonstriert werden sollte. Und das von Anfang an. Nichts anderes erscheint mir möglich. Der momentan laufende Untersuchungsausschuss ist ebenso als Farce-Veranstaltung zu betrachten, wie die ständige Weiterreichung von Verantwortung unter den Beteiligten.

    Und das, genau das macht mich wütend und in gewisser Weise auch hilfos. Ebenso hilflos wie am 30.09. Was bleibt anderes als darüber zu schreiben, den ganzen Frust in ein paar Zeilen zu legen und mit Worten statt Waffen zu kämpfen. Und dass Veränderung Zeit braucht ist ebenso klar. Doch um die Veränderung zu erreichen muss man Ausdauer zeigen.

  6. Ich war auch dabei und kann alles gelesene nur bestätigen. Habe zum ersten mal eine Schlagstockspitze spüren dürfen mit der ich und hunderte andere über die Wiese gedrückt wurden. Leider war ich an der Grenzlinie und der Polizist hinter mir wollte mich sicherlich zum Mitschieben animieren. In diesem Gedränge hat mir dann noch ein anderer Polizist Pfefferspray in die Augen geschossen.

    Vielleicht habe ich nicht genügend für die Polizei mitgeschoben. Vielleicht hat er mich auch nur zufällig erwischt, da er den Pfefferstrahl ziellos hin und her geschwenkt hat. Nachdem ich temporär blind war, und Panik hatte totgetrampelt zu werden erbarmten sich ein paar Menschen mich durch den Polizeigürtel zu bringen. Vielleicht haben meine Angstschreie bewirkt, dass wir durchgelassen wurden. Ebenso danke ich den Menschen welche mich zur Erstversorgung an den Biergarten brachten. Nie war Wasser so wichtig wie nach der Bearbeitung durch sadistische Polizisten. Die Reaktionen nach dem schwarzen Donnerstag waren für mich ein fast genauso grosser Schock. Es zeigt nur eines aber das dafür überdeutlich. Die Masslosigkeit der auf Zeit gewählten Volksverträter gegenüber dem Souverän, dem Volke.

  7. ich selbst war leider/gottseidank nicht dabei, aber bewirkt haben die Demonstrationen ja bereits einiges;)
    aber die Schlagsöcke sind fies:D, die kenne ich:P

    mfg

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