Fair Use: 5 Jahre Fakeblog-Geschichte gelöscht

Floyd 7 Kommentare WWW

Vor kurzem bat ich euch um Hilfe für Marco, der für ein Foto, das er im Blog verwendete, 1.600 Euro zahlen muss. Er hat das Geld zusammen, yeah. Die Solidarität unter einigen Blogger_innen ist also da. Das ist die positive Nachricht. Die traurige Nachricht ist, dass die meisten Blogger_innen sich jeden Tag aufs rechtliche Glatteis begeben. Die Gesetzgebung passt sich nicht in der Geschwindigkeit der veränderten Gesellschaft an, wie das viele von uns gerne sehen würden. Viele von uns verwenden Bilder, um auf aus unserer Sicht wertvolle Inhalte im Netz hinzuweisen. Die wenigsten von uns leben vom Bloggen!

Dieses Foto ist in deinem Land nicht verfügbar
Tolles Bild: Dieses Foto ist in deinem Land nicht verfügbar

Dass z.B. Spiegel Online (Oh sorry, das ist ein Link zum René, der sich mit dem Spiegel Online Artikel auseinandersetzt) voll in die „Stimmt doch, das ist alles illegal!“ Kerbe schlägt, verschärft meinen Eindruck noch. Das Internet verändert sich seit geraumer Zeit in eine Richtung, mit der ich nicht mehr sehr viel anfangen kann. Selbstverständlich müssen wir über die Veränderung der Gesellschaft reden. Wahrscheinlich steckt deine Facebook Pinnwand voller geteilter Inhalte, weil du ein Bild z.B. lustig oder teilenswert fandest. Somit bist du schuldig! So schuldig wie viele Blogger auch. Die Plattformen sind unterschiedlich, doch die Tat bleibt. Unsere Jugend ist folglich eine Ansammlung krimineller Mikroben und Springschwänze, zumindest wenn man nach deren Inhalten in Blogs, auf Facebook, etc. urteilen würde. Wenn diese Zahl in die Kriminalstatistik einfliessen würden, oh weia…

Persönliche Konsequenz: Fakeblog hat keine Bilder mehr

Die Abmahnwelle der vergangenen Zeit hat dazu geführt, dass ich die letzten 5 Jahre des Fakeblog durchgesehen und alle abmahnbaren Bilder/Fotos entfernt habe. Dabei war es mir völlig egal, ob ich dabei noch eine eigene „kreative“ Leistung erbracht habe (z.B. durch digitale Kollagen), oder nicht. In den betreffenden Artikeln habe ich mehrfach auf die Urheber verlinkt, habe teilweise auf Shops verlinkt, in denen man die Arbeiten/Werke kaufen kann. Bei sehr vielen Urhebern habe ich mir eine persönliche Erlaubnis eingeholt, damit ich das Material verwenden darf. Selbst mit einer persönlichen Einverständniserklärung des Urhebers ist man aber anscheinend nicht wirklich sicher. Toll.

Solange sich Abmahnungen als neues Geschäftsmodell weiter so gut entwickeln, solange werde ich die Bilder für Fakeblog selbst malen. Willkommen in der Zukunft, denn ab sofort wird es hier so aussehen:

Frau streckt Mittelfinger als Zeichen der Liebe in die Luft
Tolles Foto: Frau streckt Mittelfinger als Zeichen der Liebe in die Luft

Das Urheberrecht ist ein wichtiger Bestandteil

Versteht mich nicht falsch, mir geht es nicht um die Abschaffung des Urheberrechts. Dennoch frage ich mich, was ich als Blogbetreiber noch tun könnte, ausser die Urheber persönlich um Erlaubnis zu fragen oder Creative Commons Bilder einzusetzen. Wenn es trotzdem möglich ist, dass Jahre nach der genehmigten Veröffentlichung eine Abmahnung ins Haus flattert, dann habe ich darauf keine Lust mehr. Was passiert eigentlich, wenn ein Bild, das unter Creative Commons stand, plötzlich nicht mehr unter der CC-Lizenz läuft? Wie soll ich mitbekommen, dass das Bild plötzlich von einer Bildagentur lizenziert wurde und ich dieses nicht mehr verwenden darf? Was, wenn jemand ein Bild unter CC-Lizenz veröffentlicht, aber gar nicht der Urheber ist? Ganz zu schweigen von einigen Agenturen, die Nutzungsrechte an „alten“ Fotos erwerben, um anschliessend Abmahnungen zu verschicken. Das hat Methode.

Der feine Unterschied im Umgang

Wieso kann man bei einem Urheberrechtsverstoß nicht eine Mail an die Blogbetreiber mit der Bitte um Entfernung des Bildes schicken? Gerne auch mit einer Frist von 48 Stunden oder so. Alle Menschen, die ich kenne, hätten keinerlei Probleme damit, den entsprechenden Inhalt zu entfernen. Wir sind nicht die „Bösen“ in dem ganzen Spiel. Wieso wurde die Höhe für eine erste Abmahnung noch immer nicht auf 100,- Euro gedeckelt? Wieso haben wir in Deutschland keine Fair Use Regelung, wie sie in Amerika existiert? All das lässt für mich nur einen Schluß zu: Ziel der Macher des zukünftigen Internet ist es, die neue Kultur, die sich durch das Netz erst entwickelt hat, zu unterdrücken.

7 Meinungen zu “Fair Use: 5 Jahre Fakeblog-Geschichte gelöscht

  1. Genau das haben wir auch gemacht, nur dass wir Bilder aus 2 Jahren löschen, überarbeiten oder nachträglich anfragen mussten. Das war wirklich eine Menge Arbeit und das nur, um unser Hobby weiter zu betreiben. Da fragt man sich schon, ob es das Wert ist…

    Ich hoffe wirklich, dass sich „Fair Use“ irgendwann auch bei uns durchsetzt!

    1. Wobei viele Bilderstrecken, etc. durch Fair Use auch nicht zwingend gedeckt wären. Aber es wäre zumindest mal ein Anfang in die richtige Richtung. Die Artikel sehen hier jetzt zwar zwangsläufig bescheiden aus, aber immerhin habe ich mir noch ein Backup gemacht.

      Solange aber nachträglich Bildrechte von diversen Agenturen aufgekauft werden können, um damit Menschen Schaden zuzufügen, solange werde ich das mit dem ganzen Bilderkram erstmal lassen. Leider, denn es gibt so viele tolle, unterstützenswerte Dinge da draussen. Über die hätte ich gerne weiter geschrieben.

      Was ist eigentlich aus eurer Abmahnung geworden? Gibt es da schon weitere Informationen dazu? Die Summe ist ja exorbitant hoch. Wie soll das ein Normalverdiener bitte bezahlen?

  2. Wie bereits der Dora via fb mitgeteilt:

    Sehr ausführlich geschildert. In ähnlicher Sache bin auch schon verfolgt worden. Die Abmahnung landete in der Ablage, einem Zahlungsbescheid wurde widersprochen, wenige Wochen später kam der Bescheid der Einstellung.

    Was auch immer die geneigten Leser daraus schließen.

    Sonnigste Grüße
    Werner

  3. Da gibts halt immer 2 Sichtweisen. Einerseits soll man dem Urheber die verdiente Anerkennung leisten, aber andererseits schafft das nur „bürokratische“ Hürden, die in den meisten Fällen nicht nötig wären…

  4. Urheberrechtliche Inhalte gehören nicht einfach so genommen, sondern lizenziert. Ich kenne kaum einen Photographen, der die Nutzung seiner Bilder gegen einen angemessenen Obulus untersagt. und ein angemessener Obulus für einen nichtkommerziellen Blog muss natürlich entsprechend niedrig sein, oder auch umsonst. Manchmal muss man auch nur nett fragen….

    Das große Problem ist aber eher, dass die Transaktionskosten des Urheberrechts, also der Aufwand den ich für eine Lizenzierung von Inhalten aufbringen muss derzeit viel zu hoch ist. Das heisst also ich schriebe als Blogger 2 bis 4 Stunden an einem Blogpost, und brauche danach nochmal 2-4 Stunden um zwei Bilder zu lizenzieren.

    Das geht aber theoretisch auch einfacher, Lizenzsets wie Creative Commons sind m.E. ein gutes Beispiel dafür, dass das Urheberrecht auch einfacher zu gestalten ist (ja, auch CC – Lizenzen sind Teil des Urheberrechts).

    Nun muss man den Rest auch so gestalten.

    Last not least: Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine CC-Lizenz zurückgezogen wurde, und in dem der Lizenzgeber damals alte, unter CC-Lizenz erfolgte Lizenzierungen abgemahnt hätte. Die Angst ist also m.E. ziemlich unbegründet.

    Gruß,

    Stefan

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