Warum persönlicher Kontakt unter Bloggern wichtig ist und warum es beim Bloggen auch eine menschliche Komponente gibt

Floyd 5 Kommentare Gedankenfetzen, WWW

Ein paar Gedanken zum Thema Blogger. Meine grundlegende, weltumfassende Erkenntnis: Blogger sind Menschen. Wow, das hat gesessen. Manche kenne ich persönlich, manche nur, weil ich sie lese. Chris hat gestern in einem Kommentar vermutet, dass ein Teil des Artikels von Werbung handeln könnte. Das war leider falsch.

Das Wort "word" Schreibmaschine
Foto: Maria Reyes-McDavis / CC BY 2.0

Das Beispiel Wahlplakat-Adbustings

Jeder, der in dieses Internet schreibt ist sich bewusst, dass sich gewisse Themen verbreiten können. Beispielhaft möchte ich das an den digitalen Adbustings zeigen, die vor der Bundestagswahl gut besucht waren. Der Max war der erste, der den Artikel mit den gebusteten CDU-Plakaten aufgriff. Danach folgten diverse Blogs, welche die gebusteten Wahlplakate ebenfalls aufgriffen, unter anderem Daniel. Und Verena. Und und und… Das Zeug war irgendwann gefundenes Fressen für die Qualitätspresse, die sonst über einen gelangweilten Wahlkampf zu berichten wusste.

Der Stern steigt auf den Zug des Adbustings auf und berichtet, dass der Blog urbanshit.de seine User dazu aufgerufen hat, Adbustings von Wahlplakaten per Mail einzusenden. Die Sammlung ist so toll, dass der Stern die Sammlung:

mit freundlicher Genehmigung Klöckners zeigt.

Stern Screenshot des Artikels "Der Wähler kommuniziert zurück" - Qualitätsjournalismus des stern
Screenshot des stern Artikels „Der Wähler kommuniziert zurück“.

Schön, das YouTube Busting von mir steht also an erster Stelle und als Quellangabe steht urbanshit.de. What? Ich verstehe, dass Redakteure keinen leichten Beruf haben, da sich die Schlagzahl der täglich geschriebenen Artikel ständig erhöht. Da bleibt kaum Zeit für eine kurze, qualitative Recherche. Nun könnte man sagen, dass die Idee von urbanshit, User Bilder einsenden zu lassen, verhinderte, dass Quellangaben überhaupt stattfinden. Der geneigte Internet User sieht ein Bild und wenn er es gut findet, dann wird das in die Mail gepackt und fertig. Oder der User macht selbst ein Bild und schickt es ein.

Zurück zum Stern. Ich fasste etwas Mut und dachte, dass ich dem entsprechenden Stern Redakteur einen freundlichen Hinweis auf die Quelle schreiben könnte. Also schrieb ich einen Tweet:

https://twitter.com/floyd_celluloyd/status/373337197765992448
https://twitter.com/floyd_celluloyd/status/373436750515171329
https://twitter.com/sternde/status/373439776038211584

Das war die Kommunikation. Keine Antwort mehr. Ich hatte andere Dinge zu tun und mir war es nicht so wichtig. Allerdings erscheint der Stern im Gruner & Jahr Verlag, die auf der verzweifelten Suche sind, wie sie denn jetzt nun mit dem Leistungsschutzrecht umgehen sollen. Man will ja dann doch keine Google Besucher verlieren. Boah, Klickvieh. Vielleicht wird die Qualität der Recherche durch das Leistungsschutzrecht verbessert. Daran zweifle ich aber. Das LSR hat nur Verlierer hervorgebracht. Das einzige, was das LSR gezeigt hat ist, dass die Verlage auch im Internet die Richtung bestimmen. Wenn es auch jetzt erstmal ein „Nullspiel“ war, so wurde deutlich, wer die besten Lobbyisten mit dem besten Einfluss hat. Der Rest der Internet-User hat keine Lobby.

Warum Menschen im Internet gut sind – und andere nicht

Jetzt habe ich lange Zeit mit dem Artikel verbracht, um festzustellen, dass ich mich auf das Positive besinnen möchte. Das Internet besteht aus genauso vielen guten, wie so na ja Menschen. So hat Martin, den ich auf der re:publica zum ersten Mal persönlich getroffen habe, beim Artikel von urbanshit einen Kommentar mit der Quellangabe hinterlassen. Fertig. Genau so lief es bei Testspiel. Dort packte Verena den Link zur Quelle in einen Kommentar. Verena kannte ich bis dahin gar nicht und wir sind uns noch nie begegnet. Was mich allerdings wirklich freute waren weiterhin die Kommentare von Martin bei Testspiel. Zitate:

Zum Beispiel dieser Kommentar:

Die Quelle (und mehr) hatte ich dem Rudolf schon in die Kommentare geschrieben, bevor du das hier gepostet hast. Wenn ich sehe, wie das Ding die Runde macht, tut mir das für den Floyd schon ein bisschen leid :(((

Oder dieser:

… Aber wenn ich bei Twitter, FB, rivva und im Reader mitbekomme, wie sich dein Posting verbreitet und dann sehe, dass du seit gestern den Hinweis auf den Urheber hast, in den Kommentaren darauf antwortest und derweil Zeit für weitere Artikel hast, ärgert mich das. Zudem hab ich mich erst letztes Wochenende mit Floyd getroffen und über (seine) Wahlplakate unterhalten, da reg ich mich dann halt mal schneller auf… ;) …

Fragen kostet nichts

Alle oben genannten Blogger/innen, ob ich sie persönlich kenne oder nicht, haben eines gemeinsam. Alle haben mir eine kurze Mail geschrieben und gefragt, ob sie die Plakate für einen eigenen Blog-Artikel oder sonst was verwenden dürfen. Ein großes „Wow“ und Danke dafür von mir. In einer Zeit von Bloggerei, in der sehr viele nur auf „Ich habe das als Erstes gepostet“ setzen, gibt es noch Menschen, die sich ein paar Minuten gedulden können, bis sie einen Artikel veröffentlichen. Das finde ich toll. Ich bin tatsächlich der Letzte, der eine Veröffentlichung verweigert, solange es sich bei den Anfragenden nicht um irgendwelche Käseblätter handelt, oder der Inhalt in einem falschen Kontext gezeigt wird.

Man fängt immer bei sich selbst an. Nach einigen Erfahrungen habe ich mein Verhalten beim Bloggen verändert. Ich mache immer noch unglaublich viele Fehler, aber: wenn mir im Netz (meist im RSS Reader) etwas über den Weg läuft, das mir gefällt und das ich auch gerne als Erinnerung in meinem Blog hätte, dann versuche ich den Urheber ausfindig zu machen. Manchmal dauert die Abklärung der Rechte 1 Woche oder länger, aber ich habe erstens die Sicherheit, und auch ein gutes Gefühl dabei. Ein nicht zu verachtender Vorteil dabei ist, dass bei der Abklärung persönliche Kontakte entstehen und man zukünftig Genehmigungen schneller bekommt. Oder Informationen früher. Ansonsten nutze ich für Bilder sehr oft Fotos, die unter einer CC Lizenz stehen und nutzbar sind.

Dann gibt es für mich noch offene Fragen beim Bloggen, die ich nicht abschließend klären konnte. Wenn ich einen Artikel, ein Foto, oder was auch immer auf einer Webseite finde, diese den Inhalt aber wiederum von einer anderen Webseite hat (meist gekennzeichnet durch „via“ Links), welche Seite verlinke ich dann? Die Ursprungsquelle, soweit ich sie zurückverfolgen kann, oder die Webseite, auf der ich den Artikel gelesen habe. Wenn man nur die Seite verlinkt, auf der man den Artikel gelesen hat, dann bekommt die Ursprungsquelle gar keine Besucher. Nicht selten ist die ursprüngliche Quelle eine „kleine“ Webseite. Verlinkt werden aber meist die „größeren“ Seiten, da dort die meisten Leser sind. Katze -> Schwanz? Überhaupt ist diese Verlinkung untereinander nur auf diese „via“ Links und eine eventuell vorhandene Blogroll beschränkt. Das ist irgendwie doof.

Der gute Abschluß der Adbustings

Was ich nicht mag sind Pauschalisierungen. Man kann nicht behaupten, dass alle Journalisten/innen oder alle Verlage oder alle Blogger/innen nicht fähig und böse sind. Tatsächlich gibt es auch dort Menschen, die die Mühe einer Recherche auf sich nehmen, wie zum Beispiel Felix Hütten von der taz oder oben genannte Blogger/innen. Felix schrieb mich irgendwann an und fragte nach, ob ich einen Kontakt zu der Person herstellen könnte, die für die Adbustings verantwortlich ist. 10 Tage später kam ein Artikel in der taz. Gedruckt und online. Felix schickte mir alle Texte zur Autorisierung zu, was ich sehr wichtig fand. Danke Felix.

Wahrscheinlich schreibe ich diesen Artikel nur, um mich selbst immer wieder daran zu erinnern, dass es unabdinglich ist, Quellen zu erwähnen. Wir alle vergessen sie. Manchmal. Und manche immer.

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UPDATE 11.10.2013 – 18.10 Uhr

Der Hintergrund des Stern Artikels und warum Blogger-Kontakte wichtig sind

Der Stern fragte ebenfalls bei Daniel vom Kotzenden Einhorn an. Nach einer kurzen Nachfrage bei Daniel ergab sich folgender Sachverhalt, den ich hier mit Genehmigung von Daniel veröffentlichen darf. Der Stern fragte bei Daniel an, ob sie Bilder aus seinem Adbusting Artikel verwenden dürfen. Daniel erwiderte, dass er keine Generalvollmacht erteilen könne und sie die jeweiligen Quellen (die unter dem Artikel verlinkt waren) fragen müssten. Daniel hat deutlich darauf hingewiesen, dass er kein Copyright an den Bildern besitzt, sie aber ohne großen Aufwand die Quellen unter dem Artikel finden und dort anfragen könnten.

Interessant. Erstens, dass Daniel ausdrücklich sagt, dass er nicht die Rechte an den Bildern besitzt. Das finde ich persönlich toll. Zweitens, dass der Stern folglich wusste, wo die Urheber der Bilder (ich war da nicht der einzige) zu finden sind. Jetzt könnte man grobes, journalistisches Fehlverhalten bei der Recherche unterstellen, aber das lasse ich lieber. Stattdessen fragt der Stern bei urbanshit.de nach, ob sie die Bilder aus seinem Adbusting Artikel verwenden dürfen. Anscheinend dürfen sie.

Dabei ist es nicht wichtig, bei wem der Stern zuerst nachfragte, ob bei urbanshit oder bei Daniel. Der verantwortliche Redakteur hätte wissen können, dass die Rechte einiger auf urbanshit gezeigten Plakate nicht bei urbanshit liegen. Bei der Auswahl der Plakate ging der Stern aus meiner Sicht willkürlich vor. Ist doch egal, Hauptsache die Klickrate stimmt. Schnell wird eine Bildergalerie als Artikel erstellt, um sich dann auf Kosten einiger Blogger durch eine Klickstrecke ein paar Werbe-Euro mehr in die Tasche zu stecken. Mit Bildern, an denen der Stern teilweise keinerlei Rechte besitzt. Sorry, das ist armselig. Und dann das Leistungsschutzrecht unterstützen und sich mit fremden Inhalten bereichern. Alles klar.

5 Meinungen zu “Warum persönlicher Kontakt unter Bloggern wichtig ist und warum es beim Bloggen auch eine menschliche Komponente gibt

  1. Hallo Floyd,
    bin als regelmäßiger Stern-Leser sehr enttäuscht über diese Vorgehensweise. Nichtsdestrotrotz bleibt es deine Idee, deine Arbeit und es gibt genügend Menschen, die das würdigen. Ich erzählte im Freundeskreis von deinen „gefakten“ Plakaten, begeisterte Menschen tummelten sich auf deinem Blog und fanden es schlichtweg großartig. Schal bleibt der Geschmack nur wegen der Klickgier des (Vorsicht, Verallgemeinerung!) Sternes.
    Bleib bitte weiter so kreativ und streitbar, ich möchte das nicht missen. Alles Gute, Käthe.

    1. Danke Käthe. Mir geht es nicht um mich und die Adbustings, sondern vielmehr um das Verhalten des Stern und wie gut es ist, wenn man einige Blogger zumindest schon mal persönlich getroffen hat. Ohne Daniel hätte ich z.B. nicht erfahren, dass er ausdrücklich auf die Bildrechte und Quellen hinwies und der Stern somit wusste, was Sache ist. Fehler passieren immer wieder, das ist auch ok. Meine Vermutung ist aber, dass man genau weiss, was man da als Redakteur macht. Die Klick-Gier ist auch nicht so schlimm. Wenn ich daran denke, dass der Stern das Leistungsschutzrecht unterstützt und irgendwann geplant war, dass z.B. Blogger für ein Zitat oder eine Verlinkung zur Verlagsseite Geld hätten bezahlen sollen, dann ist das peinlich. Peinlich, sich am Inhalt der Blogs zu bedienen, um damit Werbeeinnahmen zu erzielen. Fairness sollte für beide Seiten gelten.

      Ach ja, du kannst mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ich bei den nächsten Wahlen wahrscheinlich wieder was mache ;)

  2. Interessanterweise hatte ich letztens ein Gespräch dazu: Ein Bekannter hatte letztes Jahr irgendwann mal nachts irgendeinen tollen Kometen (?) zufällig auf Video gefilmt und das Video bei YouTube eingestellt. Kurz danach wurde dieses Video ebenfalls beim WDR und ZDF, ARD und RTL… in den News gezeigt mit der typischen Angabe „Quelle: Internet“. Bekannter wurde natürlich nicht vorher gefragt. Dieser hatte sich dann trotzdem ob der Dreistigkeit der Fernsehsender geärgert und zufällig auch einen befreundeten Anwalt zur Hand, der sich mit Urheberrecht beschäftigt. Zack, die Fernsehsender machten ohne Diskussion ein paar Tausend Euro locker. Sache gegessen. Bekannter hat sich gefreut.

    Für die Sender wäre es einfach gewesen, vorher mal kurz nachzufragen, Bekannter hätte auch nichts dafür haben wollen. Aber da zählt natürlich die Schnelligkeit und da nimmt man solche Zahlungen wohl in Kauf. Läuft beim Stern wohl nicht anders.

    Auf der anderen Seite gibt es leider auch genug Abmahnanwälte und Agenturen, die es nur darauf absehen. Aus diesem Grund bin ich selber auch vorsichtig geworden und frag lieber vorher an – soweit möglich. Da gab es auch Sammlungen von Wahlplakaten ohne jeweilige Bildquelle, da hab ich dann auch nur hinverlinkt und keines der Bilder selbst verwendet. Dieses Internet ist echt tricky heutzutage, leider sind viele aber auch (noch) zu naiv. Aber ich selbst würde es ja auch wollen, wenn mein Werk zumindest mit Quelle genannt wird. Ehre, wem Ehre gebührt!

    1. Oh ja, das gute alte „Quelle: Internet“. Ich bin auch nicht der Abmahn-Typ. Was mich vielmehr ärgerte war, dass trotz Hinweis meinerseits, keinerlei Rückmeldung erfolgte. Das mit der Ehre sehe ich noch etwas anders. Letztendlich ist es doch die größte Ehre, wenn sich Sachen verbreiten. Und das ist gut so.

      Wer aber wie der Stern, oder besser gesagt Gruner & Jahr, das Leistungsschutzrecht unterstützt, und aus jedem und allem einen Cent mehr machen möchte, der hat von mir keinerlei Erlaubnis, irgendwelche Bilder von mir bei sich einzubetten und damit Geld zu verdienen.

      Diese Internetkaputtmacher, da kriege ich echt die Krise. Hätte der Stern bei mir angefragt, so hätte ich einer Veröffentlichung nicht zugestimmt. Da sind Besucherzahlen, die evtl. auf meinen kleinen Blog gefunden hätten, nicht entscheidend.

      P.S. Die meisten denke ich wissen sowieso, woher die Bilder stammen, egal ob nun meine, oder die von anderen. Die Frechheit liegt nur in der Dreistigkeit des sich Bedienens, ohne jegliche Rücksichtnahme auf Rechte.

      P.P.S. Danke auch dir Verena, dass du in einigen Blogs auf die Original-Quelle verlinkt hast. Das hat mich sehr gefreut und mir gezeigt, dass das Internet für mich immer noch ein großartiger Ort ist, an dem großartige Menschen sind. Man muss sich nur die Mühe machen sie zu finden. Wie im Leben eben auch.

  3. Bemerkenswert, dass sich ausgerechnet der stern so dreist über Urheberrechte hinwegsetzt. Vor einiger Zeit hatte ich mich in der View-Fotocommunity registriert, die vom stern betrieben wird. Dort gibt es einen Riesenbohei, wie groß das Wasserzeichen des Fotografen auf seinen Bildern sein darf – nämlich winzig. Nun gut. Also hatte ich die entsprechenden Fotos eigens für diese Fotocommunity mit einem angepassten Wasserzeichen versehen, eingestellt und – sie wurden gelöscht. Begründung: das Wasserzeichen sei zu groß gewesen. Kontakt mit den Betreibern, in denen ich die genauen, regelkonformen Pixelmaße belegte, fand keine Antwort. Anscheinend war ich nicht die Einzige, der es so erging. Joah. Hab dann meinen Account ruckzuck wieder gelöscht und diesem Portal nie wieder einen müden Klick geschenkt. Ohne Wasserzeichen stell ich meine Fotos nämlich sicher nicht ein…

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