Fakeblog | …begeht Rechtschreibfehler
Deine Wahl fiel auf Gedankenfetzen - Na denn, viel Glück...

Das mit der Polemik: GDL läuft Amok

Auf normalem Level kann ja heutzutage kaum noch jemand kommunizieren. Deswegen kann ich hier im Blog auch ruhig polemisch werden. Die Bahn darf das ja auch.

Die Pressemeldung der Bahn zum geplanten GDL Streik am Wochenenede:

gdl läuft amok

Screenshot DB Bahn

Zitat Wikipedia zu Amok:

Mit dem Begriff Amok (malaiisch: meng-âmok, meist mengamuk: randalieren, toben, “durchdrehen”) werden Gewalthandlungen bezeichnet, bei denen mehrere Personen durch einen einzelnen, bei der Tat körperlich anwesenden Täter innerhalb eines Tatereignisses getötet werden.[1]

Die Überschrift der starken Übertreibung zu bezichtigen, wäre eine Untertreibung. Liebe Bahn, klar kann man das so schreiben, muss man aber nicht. Öl und Feuer und Flammen und so. Ihr versteht.

Familiensynode im Vatikan: Stilgerechte Anreise der Bischöfe

Zur Zeit unterziehen sich die Bischöfe bei der Familiensynode im Vatikan einem Realitätscheck. Bereits bei der Anreise der Bischöfe wurde deutlich: In der katholischen Kirche herrscht Aufbruchstimmung.

Familiensynode im Vatikan 2014 zum Thema Famile und Sexualmoral

Zwei Bischöfe auf dem Weg zur Familiensynode im Vatikan

Ein Highlight wird übrigens das Coming-Out homosexueller Bischöfe.

P.S. Heute morgen bin ich aufgewacht und habe festgestellt, dass alles nur ein Traum war. Entschuldigen Sie die Störung. Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Vatikan bei Twitter
Twitter Suche nach #Familiensynode

Bild für Collage:
Deutsche Fotothek / CC BY-SA 3.0 DE

Remember 30. September

Da war doch was. Der Stuttgarter Bahnhof wird durchgeprügelt. Ach ne, Demonstranten in Stuttgart. Von Politik und Polizisten, die als verlängerter Politikarm Befehle ausführen. Jedes Jahr erinnere ich an dieses Datum. Vieles, was ich damals zum Thema geschrieben hatte, würde ich heute genauso schreiben. Anderes würde ich wahrscheinlich weglassen.

Krux mit Hauptbahnhof Stuttgart 21

Bildcollage Hauptbahnhof Stuttgart – Bildquelle comzeradd, CC BY-NC-SA 2.0

Damals empfand ich eine kurze Phase der Euphorie, als Frau Gönner, Herr Mappus und der Rest in die ewigen Politikjagdgründe geschickt wurden. Wegen Überheblichkeit gescheitert. NUR: die Situation hat sich anschliessend nicht wirklich verbessert. Die Farbe der regierenden Partei hat sich geändert, das Handeln jedoch nicht dramatisch verbessert.

Das Video hat aus meiner Sicht nichts an Akutualität verloren. Wenn man die Metaebene betrachtet.

Doofe machen sich über Doofheit lustig

Da gibt es eine bestimmte Spezies, die ständig behauptet intelligenter als der Rest der Menschheit zu sein. Problem: das sind auch nur Menschen. Die Intelligenz besteht in der Erkenntnis und der bewussten Akzeptanz der eigenen Doofheit. Das ist der Grund, warum ich gut mit mir klarkomme. Ich bin oft doof. Ich weiss nicht alles und würde mich in vielen Wissens-Bereichen des Lebens als doof bezeichnen. Verdammt doof. So gleicht sich das bei allen Menschen aus. Wenn wir unsere Talente, unser Wissen zusammenlegen würden, was würde sich da für ein Potential ergeben? Ach was, solange wir das nicht hinkriegen, zähle ich mich bewusst zu letzterer Gruppe. Man kann dann einfach leben. Leben. Go for it.

doofheit dummheit menschheit

Menschen werden kategorisiert. Erst die Kategorisierung ermöglicht es, dass über solche Texte gelacht wird. Deswegen vergeben Menschen Facebook Likes für so ein Bild. Massenhaft Likes. Viraler Scheiß eben. Heißer Scheiß. “Haste gesehen, total witzig das Bild, oder?” Das Bild wird mit Freunden und Fremden geteilt. Ein Spruch, der Menschen das Gefühl gibt, intelligenter als der Rest zu sein dreht die Runde. Sehr intelligent. Finde ich.

Haha, der ist doof. Der ist dumm. Der ist ungebildet. Der ist… Ach such dir was aus. Dabei sind wir alle doof. Auf unsere eigene Art und Weise. Manche aus Überzeugung, andere versuchen sich im Vertuschen, indem sie sich über andere stellen. In Oben und Unten zu denken zeugt für sich alleine betrachtet bereits von einer gewissen Doofheit. Aus meinem Blickwinkel betrachtet. Was den Beweis erbringt, dass Doofheit höchst individuell ist. Und wenn das für Doofheit gilt, dann sicherlich auch für Intelligenz.

Jetzt könnte man mir ja vorwerfen, dass ich das Leben viel zu ernst nehme, um über so einen Spruch zu lachen. Mein Vorteil: ich habe das alles ja nicht verstanden. Bewusst nicht verstanden. Ignoriert. Und ja, ich bin ein total unwitziger Mensch. Freunde bestätigen das. Wenn du welche findest.

Fazit: wir alle sind doof und gleichermassen intelligent. Individuell. Und das gilt es zu respektieren und sich nicht darüber lustig zu machen. Doof.

Zwei Weltkriege überstanden, aber nicht das Internet

Wir bewegen uns immer stärker auf genormte Innenstädte zu. Große Einkaufstempel werden errichtet, die einkaufswillige Masse durchgetrieben, um sie dann mit vollen Tüten via Einkaufsshuttle zum nächsten Tempel zu schippern. In Stuttgart ist dies durch Stuttgart 21 und den kompletten Stadtumbau noch viel deutlicher zu spüren. Wir werden in Konsumkapellen ertrinken.

Jetzt, also gefühlt seit 20 Jahren, kommt aber zusätzlich zu der Stadtumkrempelung dieser Online Handel, der dem stationären Handel den Rang abläuft. Wir können das nicht stoppen. Zurück aus dem Urlaub entdeckte ich, dass Hirrlinger, das letzte lokale Fotogeschäft in der Stuttgarter Innenstadt, dicht machte. Das macht mich sehr traurig. Der letzte Ort, an dem man noch analoge Filme, Chemikalien für die Entwicklung, etc. kaufen konnte. An der Tür hängt ein Zettel, der krasser nicht sein könnte:

foto hirrlinger stuttgart insolvenz

Foto Hirrlinger schließt seine Türen zum 31.07.2014

…Doch leider hat sich durch den Online-Handel das Kaufverhalten und dadurch die gesamte Branche soweit verändert, das selbst ein Stuttgarter Traditionsunternehmen das zwei Weltkriege überlebt hat, sich den Internet-Großkonzernen geschlagen geben muss…

Nun mag man den Besitzern vorwerfen, dass sie das Internet, die Digitalisierung im Allgemeinen, verschlafen haben. Man kann ihnen auch vorwerfen, dass ihre Preisgestaltung im Vergleich viel zu teuer war. Man kann ihnen vorwerfen, dass die Lage in der Stuttgarter Innenstadt für ein lokales Fotogeschäft nicht mehr rentabel ist. Ach, man könnte genügend Vorwürfe finden, aber: egal, wie man die Weichen gestellt hätte. Der lokale Einzelhandel hat gegen die Preisgestaltung von Internet-Großkonzernen zunächst wenig Chancen. Aber, um die Klammer zu schließen: spätestens die Umgestaltung unserer Stadt wird zeigen, dass der lokale Einzelhandel sowieso dem neuen Stadtbild mit seinen Tempeln weichen wird. Zukünftig werden die Menschen nämlich nicht mehr merken, ob sie durch die Innenstadt in Hamburg, Köln, Stuttgart oder sonstwo laufen. Alles wird gleich.

Als Ergänzung hierzu noch die reißerische Frontal 21 Dokumentation über die Samwer Brüder. Die Bewertung überlasse ich euch. Ihr seid schlau.

ZDF Frontal21-Doku: Die große Samwer-Show

Verkaufte Stadt: Stuttgart zieht Konsum Bildung vor

2010 versuchte ich die graue Bibliothek Stuttgarts zu retten. Digital. 2014 gebe ich auf. Das von ECE gebaute Einkaufszentrum öffnet im Oktober 2014. 200 Shops. Jeden Morgen fahre ich an dem Ort vorbei, wo Konsum und Bildung so nahe beieinander liegen. Dabei stellt sich mir die immer gleiche Frage: wie viel Konsum braucht eine Stadt? Und wie viel Bildung?

#Konsum vs #Bildung

Im angeblichen Land der Dichter und Denker sollte eine Bibliothek oder das Thema Bildung das größte Aushängeschild sein. Vermutlich bin ich aber mit meiner Meinung nicht mehrheitsfähig. Wie seht ihr das? #Konsum oder #Bildung, was sollte in einer Stadt überwiegen oder nach aussen das Stadtbild stärker beeinflussen? Wie schafft eine Stadt ein Gleichgewicht? Über Kommentare freue ich mich natürlich.

konsum oder bildung stuttgart stadtbild hat sich entschieden

#konsum oder #bildung – Stuttgart hat sich entschieden

Herbstkonsum

Da Stuttgart weitere Einkaufszentren eröffnet, rufe ich den Konsumherbst aus. Kauft, lauft, kauft, spart Prozente, kauft weiter, geht in den geplanten Apple Store im Milaneo. Ein Apple Store dient Stuttgart inzwischen als besonders positives Argument für das Milaneo:

In diesem Zusammenhang nennt die City-Managerin dann aber noch ein Argument, das für das Milaneo spricht – und gewährt einen kurzen Blick auf die eigentlich streng geheime Mieterliste: “Dort soll wohl ein Apple-Store einziehen”, sagt sie.

23. September 2014
Eröffnung Gerber Einkaufszentrum mit 85 Geschäften.

9. Oktober 2014
Eröffnung Milaneo Einkaufszentrum mit 200 Shops.

Passend zur momentanen Lage: Kriegsgerät interessiert uns brennend

Irgendwo in Stuttgart:

Streetgekritzel in Stuttgart – Foto: Floyd / CC BY-SA 2.0

Überraschungs-Eier für Spielerfrauen und Weltmeister

Irgendwann dachte sich die Marketing-Abteilung der Ferrero Deutschland GmbH, es wäre cool, die Überraschungseier geschlechtsspezifisch zu branden. Oder kam eine beratende Agentur auf diese glorreiche Idee und verkaufte sie nur als super super Innovation. Daraufhin habe ich ein paar Produkte speziell für Mädchen entwickelt. Aus Gründen.

Ferrero geht den Weg eisern weiter und die neuen Eier werden noch mehr Eltern und Kinder glücklich machen. Danke Ferrero, denn nun habe ich auch den Kindern gegenüber eine plausible Erklärung, warum wir die Eier nicht mehr kaufen werden. Kind 2 ist manchmal gerne eine Prinzessin und darf das nicht mehr sein, wie es neulich im Supermarkt nicht unlogisch anmerkte. Kopf. Tisch. Evolution rückwärts.

Die neuen Überraschungeier für Spielerfrauen und Weltmeister

Die neuen Überraschungeier für Spielerfrauen und Weltmeister

Danke Luca Hammer und Jutta Wegner für die Hinweise

Hier die Ansicht des gesamten Prospekts:

Die Eier, die Jutta Wegner gepostet hat, sehen mir aber sehr nach Fake aus:

(via Luca Hammer)

P.S.: Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich hierbei um einen Fake handelt. Vielleicht mache ich heute Abend auch ein paar neue Überraschungseier. Mit eigenem Branding ;)

Wir stecken mitten in der digitalen Pubertät

Erinnert ihr euch noch an die Pubertät? Wie schlimm war die Zeit, in der wir unsere Pickel spazieren trugen? Als wir uns nicht trauten, mit der ersten Freundin oder dem ersten Freund Schluß zu machen, weil wir niemanden verletzen wollten? Doch wir haben das überstanden, uns weiterentwickelt und rückblickend empfinden wir das alles als gar nicht mehr so schlimm. Wir haben gelernt.

Die Parallelen zu den Diskussionen über die Whatsapp Übernahme durch Facebook wurde mir erst jetzt klar. Für viele User ist Facebook die erste Freundin, von der man sich irgendwie nicht trennen kann. Man ist zu “anständig”, zu verständnisvoll und man verzeiht vieles. Vielleicht kommt ja alles wieder in Ordnung. Irgendwann.

Als hätten wir es mit der ersten Liebe nicht schwer genug gehabt, beschert Whatsapp vielen Usern die erste digitale Akne. Langsam lernen wir, dass nicht immer alles “schön” ist. Man vertraute sich mit der Pixelakne seinen Freunden und Freundinnen an. Man hatte Vertrauen und wischte alle Zweifel beiseite. Wie soll man eine abstrakte Ebene bei dieser Thematik auch verstehen? Wenn ich mich mit meiner digitalen Akne nicht wohl fühle, dann schreibe ich das über Whatsapp an meine besten Freunde. Punkt. Dass sich jemand über mich lustig machen könnte, den ich persönlich gar nicht kenne, kommt mir nicht in den Sinn. Warum auch. Denn diese Person steckt zwischen beiden Beteiligten. Versteckt. Im Dunkeln. Dort, wo es niemandem weh tut. Erstmal.

Wir stecken mitten in der digitalen Pubertät und werden diese meistern. Wenn wir uns auf unsere menschlichen Werte besinnen, werden wir gestärkt diese Phase verlassen. Werte definiert jeder anders, für mich ziehe ich mal als Beispiel “Offenheit” heran. Bei Freunden wünsche ich mir eine gewisse Offenheit, eine Aufgeschlossenheit. Übertragen auf unsere digitale Akne bedeutet dies: wir sollten versuchen Apps, Dienste, etc. zu nutzen, deren Quelltext einsehbar ist.

Wenn also 3/4 des Internets schreibt, dass man von Whatsapp zu Threema wechseln sollte, dann stehe ich da und frage lediglich: Warum? Nur weil ein Dienst auf einer Webseite schreibt, dass die Kommunikation verschlüsselt abläuft? Wer verifiziert das? Whatsapp behauptet auch, dass die Kommunikation verschlüsselt abläuft. Nur weil es auf einer Webseite steht, muss es noch lange nicht so sein.

Wenn wir die digitale Pubertät irgendwann abgeschlossen haben, werden wir erkannt haben, dass es notwendig ist, für manche Dienste auch finanziell einen kleinen Ovulus zu entrichten. Doch noch stecken wir mehrheitlich in der digital pubertären Phase fest. Die Mehrheit empfindet es als normal ein Smartphone im Wert von über 500,- EUR in der Tasche zu tragen, sich aber bei 2,- EUR monatlicher Nutzungsgebühr für einen sinnvollen Dienst aufzuregen. Das ist so, als würde man sich ein neues Snowboard kaufen, im Urlaub aber nur eine Abfahrt pro Tag schaffen (weil man den Berg hinaufläuft), weil man sich die Liftkarte sparen möchte.

Vielleicht müssen wir unser rationales Denken verstärkt einschalten, um zukünftig unseren eigenen digitalen Weg zu finden. Langjährige Freundschaften entstehen parallel zu kleine Episoden kurzer Freundschaften. Wir können nur lernen, die Tiefe einer Freundschaft zu erkennen. Wenn also Whatsapp oder Facebook nicht mehr der gewünschte Dienst ist, dann kann man sich jederzeit abmelden. Das gewohnte Argument “Die haben ja aber sowieso schon alles von mir” ergänze ich dann gerne um ein “Bis heute”. Oder ruft ihr ehemalige Freunde an, um sie zu einem Thema, das euch aktuell beschäftigt, zu befragen? Datensätze werden älter. Das Leben verändert sich. Wir ziehen um. Wir gewinnen neue Freunde für unser Leben. Das Erheben all dieser Daten kann man den unerwünschten Diensten alleine durch zukünftige Untätigkeit erschweren. Wenn man wirklich möchte.

Vielleicht müssen wir aber auch häufiger unsere digitale Emotion einsetzen. Wenn ein neuer, unglaublich toller Dienst auftaucht: wie ist unser Gefühl? Brauchen wir das wirklich? Ich glaube wir alle werden diese regelmäßigen Déjà Vues haben. Ob man nun von Facebook zu Diaspora wechseln sollte, oder von WhatsApp zu Threema, oder oder oder… Wichtig bleibt alleine, dass jeder für seine erste Freundin, seine erste Akne und auch für seine heutigen Freunde selbst verantwortlich ist. Und sich aufgrund von Erlebnissen weiterentwickelt.

P.S. Das Schlimmste daran ist, dass rückblickend Merkels Neuland vielleicht doch keine zu belächelnde Aussage war, sondern großteils Realität ist. Oh man.

Es ist an der Zeit sich für uns einzusetzen

Ein Absacker in der stadtbekannten Diskothek. Jugendliche, Alkoholiker und andere Existenzen treffen sich zum gemeinsamen “Wohlfühlen”. Spaß liegt in der nicht vorhandenen Luft. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich das positive Abzappeln bis zum letzten Besucher. Schön mal wieder ein paar Stunden Babylon zu entfliehen und mit “Gleichgesinnten” dem Ruf nach Spaß und Freiheit zu folgen.

Ich trinke ein Bier, möchte auch gerne teilnehmen und das Spektakel nicht verpassen. Verzweifelte Gesichter blicken umher. Teils traurig, teils voller Vorfreude harrt jeder dem Abend. Was wird er bringen? Der Abend ist jung und im Moment wirkt es so, als ob sich hier Menschen versammelt haben, die alle nur auf irgendetwas warten. Auf was? Dass jemand nackt durch die Gegend springt, auf andere spektakuläre Aktionen? Ich weiß es nicht. Meine Wahrnehmung nimmt von Minute zu Minute zu.

Konformität in der Zeit des Individualismus

Die Sinne sind von einem ordentlichen Gemüseeintopf geschärft und warten auf den entscheidenden In,- oder Output. Das Unerwartete passiert. Zwei Menschen stoßen miteinander an und verziehen dabei keinen Gesichtsmuskel. Ausdruckstanz ist hier nicht angesagt. Wichtiger ist sich so zu inszenieren, wie man nicht ist. Damit fährt man am besten und das Ticket ist sogar umsonst. Da, schon wieder: Zwei Mädchen küssen sich auf die Wangen, laufen weiter und kaum ist verlässt das eine der Mädchen den Hörabstand, werde ich Zeuge einer weiblichen Schimpftirade. Ein Auf und Ab. Eine nette Geste gehört zum guten Ton. Was danach passiert interessiert die wenigsten. Wie man das Ganze auch dreht und wendet, es bleibt eine innere Lüge. Vielleicht ist Lüge etwas übertrieben und man sollte es eher der Ignoranz zuschreiben.

Ja, ich muss sagen das Bier schmeckt gut hier. Das wichtigste an so einem Abend ist nicht die eigene Person. Wir erleben “Gemeinschaft”, Menschen, die besser mit “Compukation” umgehen, als mit Kommunikation. Trotz allem ist der gemeinsame “Geist” spürbar; ausgedrückt durch die gleiche Kleidung. Die Höhepunkte mehren sich. Konformität durch Marken.

Die Runde der Sechziger Jahre Musik ist eingeläutet. Alle Knie werden locker. Auch hier offenbart sich mir der tanzende Mob, der einen angepassten Tanzstil zum besten gibt. Ich würde die Menschen gerne springen und tanzen, ausgeflippt und erfinderisch erleben. Die Masse verhindert das.

Die Lebens-Schlagzahl erhöht sich

James Brown bläst sein “I feel good” durch die Boxen und alle folgen mit einem kräftigen “so nice, so nice, i got you…” Also geht es jetzt doch um jeden einzelnen? Ich kann mich dem Eindruck nicht entziehen, dass jeder Einzelne hier sehr viel wert ist, obwohl vielen die Flucht vor sich selbst im Gesicht steht. Gehöre ich da auch dazu? Die Antwort liefert der DJ: es ist “Bob Musik” Zeit. Brav folge ich dem Aufruf “Could you be loved” und gehe die Beine heben und abtanzen. Schneller als erwartet beendet der DJ das Set mit nur einem einzigen Lied. Rekordverdächtig.

Das Bier schmeckt, aber da muss noch etwas beleuchtet werden. Im Volksmund wird oft der Satz vernommen: Die Jugend ist die Zukunft. Dem kann ich zustimmen, aber: Muss man sich nicht Sorgen machen? Kinder mit 12 Jahren rauchen, mit 13 der erste Sex? Ja, die Welt wird schneller, alles wird in rasanter Geschwindigkeit erledigt und erlebt. Wie können wir da von Jugendlichen Standhaftigkeit erwarten? Ohne eine Konstante im Leben verliert sich der Mensch.

Wen wundert es, wenn eine alte Dame im Bus stehen muss? Keine Zeit mehr für menschliche Gesten? Wenn alle von Reizüberflutung sprechen und kein Handeln die Konsequenz ist, ist nachfragen angesagt. Sind die Reize positiv oder negativ? Was bewirken sie bei Menschen unterschiedlichen Alters? Ist es nötig, dass ein elfjähriges Mädchen ein Epiliergerät kaufen muss? Ist es nötig, dass ältere Menschen sich bewusst oder unbewusst wie Teenager kleiden, um einen Teil der verpassten Jugend nachzuholen?

Mentale Unterdrückung von außen

Mag sein, dass ich die letzten Jahre trendmäßig etwas verpasst habe, aber was ist der Antrieb für derartiges Verhalten? Steckt dahinter wirklich der eigene Wille, oder ist nicht vielmehr die Gesellschaft der Auslöser, indem sie uns zeigt, dass wir ohne bestimmte “materielle Scheinheiligkeiten” weniger wert sind. Werden wir nicht gefoltert, uns einer bestimmten Vorstellung zu beugen, die in anderen Gehirnen stattfindet? Befinden wir uns in einer neuen Form der Sklaverei? Wir verurteilen jede Form körperlicher Gewalt und üben gleichzeitig eine wesentlich vernichtendere Form von Gewalt aus: die mentale Unterdrückung. Die Kommunikation lahmt zusehends, weil die Gesellschaft in eine Sackgasse getrieben wird, die das Gegenteil von uns erwartet.

Moderne Kommunikationsmittel warten darauf von uns genutzt zu werden, unter dem Vorbehalt, dass wir uns kurz zu fassen haben. Mit immer mehr Mitteln werden wir dahin getrieben, immer weniger Aussage in unsere Sätze zu packen. Man selbst drängt sich in den Hintergrund, bis irgendwann der Riesenknall und gleichzeitig der geistige Supergau einsetzt. Dann stellt sich die Frage nach dem “wirklichen” Sinn des Lebens. Viele versuchen zu fliehen, aber der “innere Krieg” bleibt. Massen verzweifeln an der Antwort auf die Frage “Wer bin ich wirklich?”

Der Weg ist der Weg ist der Weg

Dabei ist nicht die allumfassende Antwort von Bedeutung, sondern der Weg, auf dem man sich befindet. Auf dem Weg gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich zu verirren; aber auch Möglichkeiten, geistig wertvolle Umwege zu gehen. Auf jeden von uns warten vermeintliche Irrwege, die ins persönliche Nichts führen. Und Wege, die uns geistig wieder ein Stück weiter bringen. Der Druck der Gesellschaft erwartet häufig das Beschreiten des geradlinigen Wegs. Doch sollte es uns erlaubt sein, auch und gerade die Umwege zu gehen. In der Geschwindigkeit, die jedem von uns liegt.

Wichtig dabei ist lediglich, den Hauptweg nicht aus den Augen zu verlieren. Dieser “Lebenslauf” wird von jedem selbst gesteuert, aber auch von anderen und teils von einer nicht erklärbaren Kraft, die einen immer dann besonders vereinnahmt, wenn Unsicherheit und Zweifel wachsen. Diese Kraft bestärkt uns den Weg weiter zu gehen und lässt keine Zweifel an der Wahl des Weges. Unterwegs erwarten uns Menschen, die zu Freunden werden. Freunde sind Wegbegleiter, da sie zur gleichen Zeit auf einem ähnlichen Weg wie wir schreiten.

Wie viele Freunde gibt es, die uns wirklich verstehen, die uns so akzeptieren wie wir sind?

Wie viele Menschen gibt es, die keine Erwartungen an uns stellen, die wir zu erfüllen habe?

Wahrscheinlich wenige. Wer hat das “Recht” etwas von uns zu erwarten? Wer hat das “Recht” zu erwarten, dass wir uns in bestimmten Situationen so oder so zu verhalten habe, auch wenn wir ganz anderer Meinung sind?

Erwartungen von außen

Erwartungen gründen sich auf dem Wunsch, dass ein Mensch so ist, wie man ihn sich selbst in seiner Phantasie ausmalt. Darin liegt die Überraschung, dass wir manchmal eben nicht so sind, wie andere das erwarten. Die Herausforderung ist der Umgang mit dem Unerwarteten, nicht die Erwartungshaltung. Logischerweise suchen und brauchen wir Unterstützung und Bestärkung in dem, was wir machen. Der Antrieb für das eigene Handeln sollte aber aus uns selbst kommen.

Wir treffen auf Gleichgesinnte, die sich unseren Grundgedanken und Emotionen anschließen, aber niemals das gleiche Leben führen könnten. Das ist für mich der tägliche Reiz des Lebens: Unterschiedlichste Menschen treffen aufeinander und trotz allem lassen sich Ähnlichkeiten feststellen, auch wenn diese noch so klein sind. Immer noch erschrecken wir, wenn wir feststellen, dass wir mit anderen etwas teilen, die doch äußerlich und menschlich so unterschiedlich zu sein scheinen. Eine regelrechte Phobie setzt ein, denn wir sind doch nicht wirklich wie Müllers oder Meiers aus dem 5.Stock, oder? Gewiss sind wir das. In jedem von uns steckt ein Müller und ein Meier. Das zu erkennen und zu akzeptieren erzeugt eine gewisse Angst in uns.

Stille als Zeichen der Gemeinsamkeit

Wir begegnen Menschen, die sehr verschlossen sind. Da kommt kein Wort heraus, trotz allem spüren wir eine deutliche Verbindung zu diesem Menschen, die auf gleichen Erlebnissen oder Erfahrungen beruht. Wenn wir auf “Stille” treffen, können wir das genießen. Wenn wir Stille wirklich spüren könnten, dann wäre Stille oft kein Zeichen von “sich nichts zu sagen haben”, sondern vielmehr von geistigem Austausch. Wir kommuniziern auf einer anderen Ebene. Nach einiger Zeit tritt meist ein Verlangen auf, etwas sagen zu müssen, richtig?

Da stehen wir nun und haben uns nichts zu sagen, obwohl offensichtlich ist, dass uns etwas verbindet. Der “offene” Mensch macht sich verwundbar, aber kann man verwundet werden, wenn man nichts zu verlieren hat? Wenn wir persönliche Erlebnisse verarbeitet haben, und damit meine ich nicht einfach nur Zeit haben vergehen lassen, dann sind wir auf keinen Fall ernsthaft verwundbar. Durch die Verarbeitung eines Erlebnisses, ob positiv oder negativ, stärken wir uns und verletzen uns nicht. Wir sollten herausfinden, was uns mit anderen Menschen verbindet. Wie wir die Bevölkerung kategorisieren, welche Gruppen wir auch bilden, eines verbindet uns immer: das Leben. Dieser Aspekt wird so oft vergessen, obwohl es unsere größte Gemeinsamkeit ist.

Die Perversion bewusster Ausgliederung

Stattdessen suchen wir manchmal nach Ausreden, warum wir mit bestimmtem Menschen nichts zu tun haben wollen. Wir Menschen könnten voneinander lernen, denn jeder hat Wissen, Erlebnisse und wir alle haben eine eigene Geschichte zu erzählen. Äußerlichkeiten oder unterschiedliche Lebenseinstellungen spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Wie viele Menschen werden aufgrund “gesellschaftlicher Werte” vorschnell von der Gemeinschaft ausgeschlossen und zum Außenseiter verurteilt?

Was kann wertvoller sein, als uns Menschen gemeinsam voranzutreiben?

Was kann wertvoller sein, als unser jetziges Leben zu leben?

Vermeintliche Randgruppen werden ausgeschlossen, statt integriert. Behinderte Menschen arbeiten in speziellen Behindertenwerkstätten, obwohl doch laut Gesetz jedes Unternehmen dazu verpflichtet wäre, Behinderte bei gleicher Eignung zu bevorzugen. Behinderte Kinder werden mit behinderten Kindern in eine Schule gesteckt. Nicht Behinderte mit nicht Behinderten. Wir haben doch auch keine Schulen für ausschließlich große oder kleine, dicke oder dünne Kinder. So lernen weder Behinderte, noch nicht Behinderte, dass wir unendlich viel voneinander lernen können. Unser aller Talente und Begabungen werden häufiger ignoriert, als dass sie gefördert werden.

Volkes Mund tut halbe Wahrheit kund

Jedem von uns ist dieser Satz in Abweichungen schon einmal begegnet: “Ach, behinderte Menschen können sich über Kleinigkeiten so schön freuen!” Was wie ein Kompliment klingen soll, ist häufig eine unbewusste Anklage an unsere eigene Person, da wir sehr wohl wissen, dass diese Eigenschaft bei uns selbst schon so gut wie verloren ist. Wir haben zum größten Teil verlernt uns über Kleinigkeiten zu freuen und nun werden behinderte Menschen darum beneidet? Was für eine trügerische These. Integration (inzwischen Inklusion) ist das Schlüsselwort und sollte gleichzeitig eine Vorgabe sein. Inklusion und Integration gibt es nicht auf Rezept, wir müssen das leben.

Der Rhythmus heisst Leben

Wo ein Herz schlägt, ist Rhythmus. Wo Rhythmus ist, ist Leben, und wo Leben ist, gibt es etwas zu lernen. Wir akzeptieren, dass gewisse Gruppen von einem gemeinsamen Leben ausgeschlossen werden. Wir sollten aufstehen und uns für die Inklusion einsetzen. Und Inklusion beziehe ich dabei nicht nur auf Menschen mit und ohne Behinderung. Die Gesellschaft krankt an sich selbst, anstatt an sich zu gesunden und zu reifen.

Wortfetzen wie Mentalität, Tradition und Kultur finden inflationären Gebrauch, ohne zu fragen, was dahinter verborgen liegt. Im Gegenteil, in dem Moment in dem wir darüber sprechen sind wir Teil dieser Mentalität, Tradition und Kultur. Darin liegt die Schwierigkeit. Hinter allem steckt Arbeit. Für die meisten von uns besteht die Schwierigkeit auch nicht darin, eine bestimmte Anzahl an Stunden jeden Tag zu arbeiten. Die Herausforderung liegt in der geistigen Arbeit mit und an uns selbst. Diese Arbeit existiert in gleichem Maße wie die körperliche Arbeit und dennoch finden wir hierfür seltener Zeit.

Warum wir von uns selbst getrennt werden

Körper und Geist bilden eine Verbindung, die sich nicht auf Anhieb zu verstehen scheint. Wir könnten die Momente verstärkt wahrnehmen, in denen der “innere Mann” den Finger hebt und das Wort ergreift. Unterschätze niemals den “inneren Mann”. Er zeigt uns immer wieder Wege, Möglichkeiten, Aspekte im Leben, die uns bis jetzt verborgen geblieben sind. Manchmal kommt der innere Mann mit einem Hammer. Der Volksmund spricht dann von Lebenskrise, Ausweglosigkeit, Midlife Crisis,… Dann wieder spricht der innere Mann mit sanfter Stimme zu uns. Jede Sekunde unseres Lebens ist er bei uns und versucht das persönliche Gleichgewicht herzustellen. Wenn jemand eine Auszeichnung verdient hat, dann der “innere Mann”. Täglich verrichtet er ausgeglichen und überlegt seine Arbeit: unser Leben.

Das größte Problem der heutigen Zeit liegt lediglich darin, Zeit zu finden, um auf den inneren Mann zu hören.

Anmerkung

Diesen Text habe ich vor 13 Jahren geschrieben und gestern wieder gefunden. Leider musste ich feststellen, dass sich nicht wirklich verändert hat. Das Thema ist so aktuell wie damals. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch auch. Die neumodische Work-Life Balance findet immer mehr Beachtung und gerade Jugendliche sind es, die im Berufsleben sehr viel Wert darauf legen. Gesellschaftliche Veränderung dauert manchmal länger, als man sich das wünscht, aber mit Beharrlichkeit und Wille können wir einiges bewegen.

Unglaublich, endlich mal jemand der Fakeblog bis ganz nach unten gescrollt hat. Daumen hoch. Willst du wieder nach oben?